Von Buchmessen, Autoren, Bloggern und einem Traum

Ich weiß ja nicht, wie es für Leser ist, wenn sie eine Buchmesse besuchen. Ich gebe zu, als Leser nie auf einer Buchmesse gewesen zu sein. Immer nur als Autor. Und für uns Autoren – egal, ob mit eigenem Stand oder ohne – ist ein Messebesuch irgendwas zwischen Klassenfahrt und Freigang aus der Klapse. Man muss sich das ja mal vorstellen: Da hockt man aufgrund der Natur seines Jobs ja eigentlich den ganzen Tag nur zuhause rum. Man hat keine Kollegen, keinen Chef, nur diese kleine dämliche Muse, die einem mal mehr mal weniger schräge Ideen ins Ohr zwitschert und einen Haufen Katzenvideos, mit denen man glaubt, die Muse übertönen zu können. (Klappt übrigens nie, man gibt die Hoffnung dennoch nicht auf.)

Und dann steht sie da, groß und fett markiert im Kalender: die Buchmesse!

Der Wahnsinn geht also schon viel eher los: Welche Klamotten pack ich ein? Wen will ich treffen? Was in meinem Fall bedeutet, dass ich ohne jeglichen Termin los bin, weil ich so hochorganisiert bin, dass ich es einfach vergessen habe und dann irgendwie zwischen Tür und Angel absprachen kamen wie »Wir stehen dann da und da, wir sehen uns«, die dann sogar auch noch funktioniert haben.

Ich räume ein, ohne meine heißgeliebte Margaux Navara wäre ich nie nach Frankfurt gefahren, weil … *urgh *argh … da sind ja Menschen! Panik! (Und – hier bitte Grüße an eine gewisse Waldfee einfügen – es waren irre viele davon!) Margaux lud mich also zu sich ein, damit wir gemeinsam auf die Buchmesse gehen konnten. Sie hatte Termine – ich, aufgrund maximaler Verpeiltheit, nicht, aber das machte auch nix, denn ich stand gerade am Bahnhof meines neugewählten Heimatdorfes (mit Stadtrechten, aber … im Ernst! Zwölftausend Einwohner? Stadt? Witzig! Ich mag euch trotzdem.), als der erste »Termin« mich quasi frontal überfuhr. Ich war sogar mutig genug, selbst danach zu fragen. (Was in meinem Fall was heißen will, ich bin tatsächlich feiger, als man meinen sollte.) Eva von rel.eva.nt_books postete nämlich ein Bild vom Nova-Stand und verlinkte mich darunter. So kamen wir ins Gespräch und – Zack! – Termin, sobald ich auf dem Messegelände eintrudeln sollte. Und das nicht nur mit Eva, sondern auch mit Sandra, die Frau hinter dem Blog zeilenwanderzaubererin und – wie ich seitdem weiß – Fangirl No. 1 von einer Autorin, der von dieser Begegnung noch immer der Kopf schwirrt. Ja! Mir! Kann man sich nicht ausdenken. Ich weiß wirklich nicht, wer nervöser war, vielleicht sollten wir das beim nächsten Mal auswürfeln.

Und dann ging das am nächsten Tag auch noch in die Verlängerung! Ein wenig hatte unser Ganztags-Meeting in Halle 4, Gang D, das Café am Ende, ja was von der letzten Bank im Schulbus auf dem Weg zur Klassenfahrt. An dem Tag habe ich nämlich original fast nichts anderes gesehen als besagtes Café und einen Haufen lustiger Mädels. Ein Gang durch Halle 3, mit Käffchen bei der lieben Cara DeWinter, bei der ich aber schon zum ersten Mal dem witzigsten Bloggerteam ever in die Arme rannte. Ach ja … Liebe Cara, es war übrigens gut, dass wir bei dir den Sekt ausgeschlagen hatten. Leinani von leinanisbookcorner war mit ihrem »Ich brauch ein Bier« etwas später nämlich überaus ansteckend. Viermal, um genau zu sein. *hicks. (Kann mir mal wer erklären, warum meine Playlist gerade Tom T. Halls »I Like Beer« ausspuckt!?)

Dann war auch Alex von love_booksandpixiedust da! Eva, Sandra und Alex – drei Bloggerinnen, die ich in den Monaten davor durch Zufall hatte kennenlernen dürfen und die ich halt immer cool fand. Mit dem, was sie auf ihren Blogs machen, mit ihrer Art. So herrlich authentisch. Leinani kannte ich vorher noch nicht, aber hey … coole Socke! Sehr coole Socke! Ich hoffe, dass auch der Kontakt nicht einfach versandet. Hat irgendwer mal mich nach meinem Fangirl-Moment gefragt? Nein! Ha! Er war genau da! In diesen Stunden im Café am Ende von Gang D. Aber das glaubt man einem Autor ja nicht. Aber Mädels … ihr seid toll! Ich habe die Gespräche mit euch so unglaublich genossen. Da war kein komischer Moment im Sinne von »Darf ich das? Ist es richtig, wenn …« oder dieses »Was denken die wohl von mir?«. Es hat einfach gepasst. Und ich freu mich so sehr darüber, denn – aber dazu sage ich später im Beitrag noch was – das ist gar nicht mal so oft. Leider.

Diese Autorin schwärmt jetzt also von euch, Mädels. Ihr habt einen Fan!

Und deshalb muss ich mich auch bei Marcus Ehrhardt ein wenig entschuldigen, der bei seinem Besuch etwas zu kurz kam. Ich hatte mich auf ihn echt gefreut, aber es war in unserem selbstgebauten Hühnerstall eventuell etwas chaotisch.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass der Freitag auf der Messe überall hätte stattfinden können, denn von der Messe habe ich tatsächlich nahezu nichts gesehen an diesem Tag. Musste aber auch gar nicht. Auch wenn Margaux mich am Ende ausgelacht hat, als sie ihre Termine durch hatte und mich im Messenger fragte, wo ich denn inzwischen sei und ich ziemlich beschwipst nur sagen konnte: Da, wo du mich vor Stunden verlassen hast. Business as usual – Sarah hatte alle Lacher auf ihrer Seite. Profi? Kann ich.

Der Samstag war wiederum den Autoren vorbehalten. Also, nicht geplant, es hat sich einfach ergeben. Ausgerutscht auf … äh … falscher Text. Aber gleich beim Reinkommen Melanie Weber/Kitty Stone und Mike Stone in die Arme gerannt. Mitten im Gang (wir haben dabei quasi das Rote Meer gezwungen, sich zu teilen) das jedoch auf später auf der Agora vertagt. Beim Versuch, in Halle 3 zu kommen (no fucking way!), dann Chris getroffen, während ich auf Yvie Eckhardt wartete, die sich tapfer durch Halle 3 fräste. (Ich bewundere deine Nervenstärke!) Yvie, auf die ich mich auch total gefreut hatte, weil wir uns noch nie begegnet waren und sie selten auf Messen geht. (Sie organisiert sie lieber.) Nach wie vor bin ich stolz drauf, dass wir den norwegischen Pavillon gefunden haben, auch wenn der irgendwie … hm … Norwegen selbst ist tatsächlich beeindruckender. Aber auch das macht ja nichts, denn man kann auch da stehen bleiben und fachsimpeln. Über Messen, Marketing und so’n Zeugs. Ich fühlte mich dabei ja fast wie ein Profi. Ich! Muharhar! Ich lache immer noch.

Aber irgendwie blieb dieser Tag auch quasi-professionell. Mit Meli, Mike, Chris, Felicity D’Or, Martina von likeletters und allen drölfzigtausend Menschen, die ich gerade vergesse, auf der Agora, Eingang Autorensofa. Natürlich sind wir auch digital unterwegs. Natürlich unterhalten wir uns auch da. Trotzdem ist es etwas anderes, wenn wir uns dabei in die Augen schauen können. Ach ja … Chris? Ich mach das mit den Pilzen. (Hier böses Lachen und Händereiben einfügen.) Das liest sich gerade komisch, oder? Äh … RECHERCHE! Es geht um ein Buch! Eine Darker Story, um genau zu sein. Aber das sollte jetzt nicht weiter verwundern, nehme ich an.

Egal. Zurück zur vermeintlichen Professionalität meiner Person. *hustet dezent
Am Abend wurde ich auf die Party des SP-Verbands eingeschmuggelt. Mit Erlaubnis von Katharina Mosel, der ich schon beim Treffen des Autorinnenclubs begegnet bin, hatte ich die Ehre, von deren Tellerchen zu essen und aus deren Becherchen zu trinken. (Was übrigens beides fantastisch war.) An dieser Stelle auch meinen Dank an Tom Oberbichler, dessen Playlist uns allen den Abend versüßt hat. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob Katharina mit dem weiteren Verlauf so glücklich war. Eines meiner größten Probleme – da geht sie hin, die Professionalität – ist, dass ich gnadenlos ehrlich bin, weil ich das mit dieser Diplomatie nie verstanden habe. Katharina beging also den »Fehler« mich zu fragen, was meine Gründe sind, nicht in den SP-Verband einzutreten.

Zwei Gläser Wein später hatte ich alle meine Punkte runtergerattert. Ehrlich und vollkommen ungeschminkt. Allerdings auch mit einem dicken »Aber« versehen. Denn eigentlich will ich ja eine Form der Vernetzung und Organisation von Indie-Autoren. Ich liebe diesen Austausch nämlich, der unfassbar produktiv sein kann. Der uns auch allen guttut, die wir sonst nur bedingt die Möglichkeit haben, diesen Austausch mit Menschen zu führen, die in der gleichen Position stehen. Es ist hilfreich, sich anzuhören wie Autor X das macht, welche Erfahrungen er gemacht hat und abzugleichen, wie man selbst es macht und warum. Daraus können ganz tolle Dinge entstehen. Und damit meine ich nicht nur Freundschaften, sondern auch Dinge, die irgendwie nach Profi riechen. Allein dafür lohnt sich jede Messe. Und allein dafür würde sich auch ein Verband lohnen.

Aber …

Ich mache mich jetzt mal unbeliebt: Viel zu oft hat man bei Romance-Autoren das Gefühl, dass man sich gegenseitig das Messer bis zum Heft in die Brust rammt und dann unschuldig lächelnd die Klinge umdreht. Klingt kacke, oder? Ist es auch. Ja, wir sind alles Künstler und entsprechend auch sehr eigenwillige Persönlichkeiten. Und natürlich sind wir auch alle in der einen oder anderen Form narzisstisch, sonst würden wir nicht veröffentlichen, sondern nur für uns schreiben. Aber allein wenn ich mir anschaue, wie oft diese Plagiatsgeschichten hochkochen, werde ich traurig. Auf meinem Ponyhof sollte es nicht so sein. Wir können voneinander profitieren. Und damit ist nicht gemeint, dass wir Cover- oder Klappentextideen klauen oder gleich ganze Handlungsstränge. Oder dass wir uns gegenseitig blockieren, nur weil man mit Autorin Y zu tun hat. Wir sind keine Feinde. Oder auch nur Konkurrenten. Wir sind Kollegen. Wir können uns vernetzen, organisieren und voneinander lernen. Wir könnten gemeinsam so viel auf die Beine stellen … wenn wir nur wollten.

Ich räume ein, dass ich mich viel im US-Raum umschaue, wenn es um das Thema Romance geht. Und dort sieht man immer wieder, wie es auch funktionieren kann: Autorinnen, die zusammenarbeiten. Autorinnen, die miteinander befreundet sind. Die viele Dinge gemeinsam realisieren, die zusammenhalten. Natürlich ist auch da nicht alles Gold, was glänzt. Natürlich gibt es auch dort jene mit der 12cm-Klinge und dem unschuldigen Lächeln, wenn sie das Messer umdrehen, und davon auch gar nicht wenig. Aber dort gibt es auch das Verständnis davon, dass das nicht der Weg sein kann. Und dabei spielt es nicht mal eine Rolle, ob Verlags-, Hybrid- oder Indie-Autor. Dort gibt es mit der RWA eben auch einen Verband, in dem man sich organisieren kann. Der eine Stimme in der Öffentlichkeit darstellt.

Mir fehlt das in Deutschland. Mir fehlt die Gemeinschaft. Mir hat es so gut getan, nach der Messe mit Margaux zusammenzusitzen (oder mir die Stadt zeigen zu lassen) und über all die vielen Kleinigkeiten zu reden, die ein Autorenleben neben dem Schreiben halt ausmachen. Ich werde so viele Dinge daraus mitnehmen. Dinge, über die ich nachdenken muss. Dinge, von denen ich weiß, dass ich sie probieren möchte. Momente, die ich so nicht vergessen werde. Diese Momente mit ihr und auch jene auf der Messe sind mit Gold nicht aufzuwiegen.

Ich will mehr davon. Mehr offline. Mehr persönliche Begegnungen. Runde Tische. Offene Türen. Mehr Gemeinschaft. Mehr Zusammenhalt.

Ja, ich habe einen Traum.

Die deutsche Indie-Autoren-Szene fühlt sich mitunter an wie ein Minenfeld. Viel zu sehr geprägt von Befindlichkeiten und Neid. Ich will mir aber nicht die Ellenbogen blutig hauen, um dort einen Platz zu haben. Viel lieber möchte ich die Hand ausstrecken und sagen: »Komm, wir schaffen das gemeinsam.« Wir haben so viele Dinge gemeinsam – den Künstler in uns, den Unternehmer, den Marketeer –, tatsächlich haben wir mehr gemeinsam als uns trennt. Warum ziehen wir dann so tiefe Gräben? Warum können wir nicht unser eigenes Happy End schreiben?

6 comments

Oh mein Gott Sarah… ich bin platt, gerührt und geschüttelt und hach. Diese Nachmittage mit euch sind tatsächlich auch mein Messe Highlight dieses Jahr, weil es einfach toll, authentisch und offen war. Hoffentlich treffen wir uns bald wieder <3

Spätestens in Leipzig. Auch wenn ich da mit eigenem Stand dann etwas eingebundener bin. :-*

Kein Problem 🙂 Euer Stand ist dann berühmt und berüchtigt, weil wir so laut lachen werden, dass alle wissen wollen, was los ist 🙂

Yeah! Guter Plan! So machen wir das! 🙂

Marcus Ehrhardt

Entschuldigen wofür? Es war perfekt so wie es war. 🙂

Ich hatte irgendwie ein schlechtes Gewissen hinterher gehabt. Das erleichtert mich gerade. 🙂

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